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Kreativität ist gefragt in der Peoplefotografie

Kreativität ist nicht nur bei der Entwicklung der Bildidee gefragt, sondern gerade auch bei der Nutzung der eingesetzten Technik. 

Lasst es mich am Beispiel dieses Bildes erklären.

Ich liebe es, mit meiner Kamera Dynamik einzufangen. Hier mit der wunderbaren und professionellen Tänzerin Tatiana. Dynamische Fotos sind immer eine Herausforderung an den Fotografen. 

Wenn ihr nicht wisst was das Model macht, dann habt ihr auch nur eine geringe Chance, den Moment einzufangen. In einem ersten Schritt solltet ihr deshalb mit dem Model die „Bewegung“ abstimmen, um dann im richtigen Moment bereit für das Foto zu sein. 

Im zweiten Schritt kommt dann die Kamera ins Spiel. Rein technisch gesehen sind moderne Kameras durchaus in der Lage, mit Dynamik umzugehen – das Objekt schnell zu erfassen und zu fokussieren, also beim Auslösen gestochen scharf auf die Speicherkarte zu bannen. 

Hier hat es aber leider nicht funktioniert. Vielleicht habe ich die verbaute Technik nicht richtig eingesetzt/bedient. Das sollte ich auf jeden Fall nachbereiten. 

Aber was nützt diese Erkenntnis beim Shooting? In diesem Moment kannst du die Kamera nicht weglegen und dem Model sagen „Ich brauche erst mal eine halbe Stunde, um etwas auszuprobieren!“ oder „Sorry, ich muss erst mal in der Anleitung nachlesen!“

Hier ist Kreativität gefragt. Ihr müsst vielmehr in der Lage sein, am besten ohne dass das Model das merkt, diesen Moment kreativ zu lösen. Das müsst ihr übrigens auch, wenn ihr eine Bildidee im Kopf habt, die mit dem Model nicht so richtig klappen möchte. Welche Ursache es auch immer hat, ihr müsst das Problem erkennen und darauf reagieren. Und zwar bevor dem Model die Puste ausgeht. 

Wie habe ich hier das Problem gelöst?

Ich habe das Model auf die Endposition (nach dem Sprung) gestellt und fokussiert. Danach habe ich die Schärfe am Objektiv auf manuell gestellt. Und natürlich habe ich auch meine Position nicht mehr verändert. Hierbei muss man sich bewusst sein, dass das Model, gerade bei sehr dynamischen Bewegungen, nie auf der exakt gleichen Distanz zur Kamera (Schärfenbene) bleiben wird. Mit einem ausreichend großen Schärfenbereich (geschlossene Blende) kann man dies aber kompensieren. 

Das war also meine Vorgehensweise, um trotz technischer Schwierigkeiten an mein gewünschtes Ziel zu kommen. Und wenn auch ihr schon einige Jahre fotografiert, dann wisst ihr von was ich schreibe. Sie treffen uns immer wieder in der Fotografie: Unvorhergesehen Probleme, die einem schnell aus dem Gleichgewicht bringen (können). 

Was lernen wir also von meiner Erfahrung:

  1. Rechne bei einem Shooting immer mit Unvorhergesehenem. Bleibe flexibel und versuche schnell und kreativ darauf zu reagieren. Verrenne dich nicht und verwirf lieber mal (rechtzeitig) eine Shootingidee (Notlösung).   
  2. Die Technik ist immer nur so gut wie der Anwender. Bereite dich auf das Shooting vor. Zur Umsetzung von Ideen, die sich von eurer gewohnten Arbeitsweise abweichen, checke die technischen Möglichkeiten deiner Kamera genau auf diese besonderen Bedingungen. 
  3. Trainiere deine Kreativität. Wenn du immer nur das tust, was du kannst, dann wirst du auch nicht in solche Situationen kommen. Aber gerade wenn du aus der Komfortzone raus gehts, entwickelst du dich und natürlich auch deine Kreativität.
  4. Aber: Schärfe um jeden Preis? Nein! In der Peoplefotografie kommt Emotion noch vor 100% Schärfe. Wenn ein Foto Emotionen beinhaltet, dann lässt sich damit etwas Unschärfe locker verzeihen. Und manchmal unterstützt es sogar die dynamische Bildwirkung. Gerade natürlich auch Bewegungsunschärfe! Mehr dazu aber in einem anderen Beitrag: https://www.spiegelschlag.eu/schaerfe-um-jeden-preis/ 

Ich hoffe ich konnte dir mit meiner Erfahrung und daraus erfolgten Problemlösung einige Impulse für deine kreative Arbeit in der Fotografie geben. 

Weitergehende Infos zur Fokussierung bekommt ihr hier:

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weiter Lichtsetzung: Kreatives Arbeiten mit Lichtformern 

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